Wie regeneriert sich meine Stimme nach Feiern?

Heiserkeit nach ausgelassenen Partys ist ganz normal. Für Menschen in Sprechberufen kommt es darauf an, ihre stimmliche Qualität dauerhaft zu erhalten.

Wenn Sie Kleinigkeiten auf dem Fest, unmittelbar nach der Feier und am nächsten Tag berücksichtigen, kann Ihre Stimme sich regenerieren und Ihnen beruflich und privat wieder voll zur Verfügung stehen.

Woher kommt die Heiserkeit nach Feiern?

Heiserkeit kommt durch eine Überbeanspruchung der Stimme: Anschreien gegen eine Geräuschkulisse, lautes Mitgrölen von Liedern, Sprechen, obwohl man schon sehr müde ist – bei alledem geht die Stimme über ihre Kräfte. Die Muskeln sind erschöpft und schließen beim Sprechen nicht mehr richtig. So entsteht der typisch heisere Klang.

Zudem stellen Alkohol- und Nikotinkonsum, trockene und verbrauchte Luft alles andere als den idealen Lebensraum für den Kehlkopf dar.

Wie kann ich mich auf einer Feier stimmgesünder verhalten?

Schon Kleinigkeiten entlasten die Stimme: Gehen Sie zum Unterhalten nach draußen oder in einen ruhigeren Nebenraum oder auf den Gang. Vermeiden Sie unbedingt Gespräche vor der Lautsprecherbox – auch wenn dort meistens Platz ist. Unterhalten Sie sich lieber zu zweit als in Gruppen, je näher Sie am Ohr des Gesprächspartners sind, umso weniger muss Ihre Stimme leisten.

Bei lauter Musik und Stimmengewirr verlieren wir die akustische Kontrolle über unsere Stimme. Probieren Sie aus zu sprechen, ohne sich selbst zu hören. Bitten Sie Ihren Gesprächspartner um Rückmeldung, wenn es für ihn zu leise ist.

Wenn Sie erkältet oder allergiegeplagt sind, singen Sie beim Tanzen weniger mit.

Trinken Sie immer mal Wasser zwischendurch. Reduzieren Sie bei belasteter Stimme oder bei wichtigen Terminen in den kommenden Tagen hochprozentige oder säurehaltige Getränke und Rotwein.

Was hilft vorm Schlafengehen?

Wenn Sie fettes Essen oder viel Alkohol genossen haben, nehmen Sie Natron vor dem Schlafengehen, um Ihren Säure-Haushalt positiv zu beeinflussen.

Wenn Sie mögen, können Sie kleine Stimmübungen machen oder den Hals ausstreichen, damit er entspannt in die Nachtruhe geht.

Wie verhalte ich mich am nächsten Tag?

Am nächsten Tag ist es absolut sinnvoll, sich an der frischen Luft zu bewegen und das Schlaf- und Flüssigkeitsdefizit auszugleichen. Es ist sehr hilfreich, Aufwärmübungen für die Stimme zu machen. Schweigen Sie nicht komplett: Diese vermeintliche Schonung lässt die Muskeln träge werden. Wenn Sie sprechen, tun Sie das ohne festen Druck und Kraftanstrengung. Die Stimme darf heiser klingen, versuchen Sie, den besten Klang zu erreichen, der gerade möglich ist. Manchmal fühlt man sich so verkatert, dass man unbewusst gequält und heiser spricht.

Weiterer Verlauf

Die Stimme sollte sich im Laufe eines Tages regenerieren. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die regelmäßig feiern oder im Bereich Gastronomie oder Entertainment arbeiten, kann ich Sie nur ermutigen, achtsam mit Ihrer Stimme umzugehen. Bei einer Vielzahl meiner Stimmpatientinnen und Stimmpatienten begann die Krankengeschichte mit ständig heiserer Stimme am Wochenende. Beobachten Sie bei sich, ob Ihre Stimmqualität kontinuierlich über die Jahre abgenommen hat.

Fazit

Feste zu feiern und auch mal feste zu feiern gehört zum Leben dazu: Sie brauchen sich auch als Mensch mit Sprechberuf nicht asketisch zu verhalten. Ich hoffe, diese kleinen Tipps unterstützen Sie darin, mit gutem Gewissen Ihrer Stimme gegenüber ausgelassen feiern zu können.

 

Stimme & Bewertung – mehr als eine Frage des Geschmacks

Sie kennen das: Sie schalten den Fernseher ein. In einem Interview hören Sie jemanden sprechen. Obwohl das Thema eigentlich ganz interessant ist, haben Sie den Drang umzuschalten: Diese Stimme wollen Sie nicht länger als nötig ertragen: Wie kommt das?

Dazu drei Erklärungsansätze:

1. Erfahrungen mit ähnlich klingenden Sprechern

Wenn Sie z.B. eine Patentante hatten, die mit ähnlicher Sprachmelodie, Tonhöhe und Klangfülle gesprochen hat, die Sie immer verwöhnt hat und die Sie vergöttert haben, so wird Ihr Hörgedächtnis unbewusst bei gleichen Stimmen positive Emotionen hervorrufen – leider setzt dieser Mechanismus auch bei stimmlicher Ähnlichkeit mit der keifenden Vermieterin ein.

2. Individuelles Unbehagen in der Hörwahrnehmung

Gerade von Menschen mit sensiblen Ohren hört man Sätze wie „Schrei doch nicht so!“ oder „Bitte nicht in diesem Tonfall!“ Damit ist oft eine bestimmte Frequenz und Lautstärke gemeint, die das Ohr als Misston einordnet. Das Gehör möchte sich durch Weghören schützen.

3. Körperliches Übertragungsphänomen

Achten Sie einmal darauf, wie sich Ihr Hals anfühlt, wenn z.B. Joe Cocker singt. Meistens passt sich unsere Halsmuskulatur beim Zuhören dem Spannungszustand des Sängers oder des Sprechers an. Das kann schon mal ein Unwohlsein im Hals und somit zum Ablehnen einer Stimme führen.

Stimme und ihre Bewertung ist also viel mehr als nur eine Frage des Geschmacks.