SouverĂ€n ĂŒber emotionale Themen sprechen

Es gibt Situationen, in denen fĂ€llt Sprechen besonders schwer: sei es, eine weit reichende  Entscheidung mitzuteilen, eine schwere Diagnose oder einen Todesfall zu verkĂŒnden oder von Situationen zu berichten, in denen  Leid geschah. Wenn das auch noch vor einer Gruppe geschehen soll, steigt naturgemĂ€ĂŸ die Aufregung.

Menschen, die sich stark mit Ihrer Arbeit identifizieren, empathisch sind und zugleich FĂŒhrungsverantwortung haben, kennen solche Situationen und wollen authentisch bleiben, ĂŒberzeugen und sich nicht von Ihren GefĂŒhlen ĂŒbermannen lassen.

Wie schaffe ich es, bei AnlĂ€ssen mit großer Teilnehmerzahl Themen souverĂ€n zu vermitteln, die mir emotional nahegehen?

In einem Stimmtraining lernen Sie, wie durch sichere Haltung, regelmĂ€ĂŸige Atmung und Ausnutzung der KlangrĂ€ume die Stimme stabil bleibt. Außerdem können Sie am Sprechtempo und der Pausensetzung arbeiten, sowie an der eigenen Stressregulation.

Hier kommen erste Tipps, um eine sichere Stimme zu haben. Suchen Sie sich ein bis zwei Hilfestellungen aus, die zu Ihnen und zu der entsprechenden Situation passen.

Sich immer wieder in den gegenwĂ€rtigen Moment zurĂŒckholen

Mit einfachen Mittel gelingt es, sich in die aktuelle Situation und aus dem GefĂŒhlsstrudel oder Gedankenkarussell herauszuholen. Dabei kann zum Beispiel ein Pfefferminzbonbon (nur bei gesunder Stimme) helfen.

Einen festen Gegenstand, z.B. eine Holz- oder Glaskugel in der Hand zu halten, hilft dabei, inneren Halt zu finden. Durch das FĂŒhlen eines festen Materials wird unsere Aufmerksamkeit in die Gegenwart gelenkt. Ein konkreter Gegenstand bildet einen wichtigen Kontrast zu den diffusen Gedanken und GefĂŒhlen.

Ein Gummiband am Handgelenk oder am Finger ist lĂ€stig. Dieser störende Impuls lĂ€sst uns leichter wieder aus der GefĂŒhlswelt auftauchen.

Probieren Sie im Vorfeld aus, ob es Ihnen hilft, einen Timer mitlaufen zu lassen, um sich durch zeitliche Vorgaben im Außen zu halten.

Gute und ausfĂŒhrliche Planung gibt Sicherheit.

Zur Vorbereitung sprechen Sie die BegrĂŒĂŸung und die Verabschiedung, sowie die SĂ€tze, die Ihnen zu Herzen gehen, mehrmals laut aus – so können Sie sperrige Formulierungen noch umĂ€ndern. Außerdem verliert die EmotionalitĂ€t durch Wiederholung an StĂ€rke. Das verleiht Ihnen Sicherheit.

Wenn Sie ein ausfĂŒhrliches Skript haben, können Sie im Notfall ablesen. Wenn Sie zeitliche Vorgaben haben, hilft es, einzelne Teile zu stoppen, um zu wissen, ob Sie zu viel Material haben oder zu wenig. So vermeiden Sie zu schnelles Sprechen, was Sie noch unruhiger machen wĂŒrde.

Wenn Sie Technik einsetzen, machen Sie einen Check, bevor die ersten Zuhörer da sind, bzw. sorgen Sie fĂŒr technischen Support.

Achten Sie darauf, ausreichend zu essen und zu trinken.

Sorgen Sie bei aller Aufmerksamkeit fĂŒr das Thema oder dem Anlass gut fĂŒr sich. Unterzuckerung oder Durst schwĂ€chen Sie unnötig. Ein Glas Wasser und eine Banane sind innerhalb einer Stunde vor Ihrer Rede eine gute UnterstĂŒtzung.

Schwierige Stellen in der Ansprache

Wahrscheinlich ahnen Sie schon, an welchen Stellen, Ihre Stimme versagen könnte. Wenn es sich um den Namen, beispielsweise einer verstorbenen Person handelt, können Sie ausprobieren, ob es Ihnen leichter fĂ€llt, von „ihrem lieben Kollegen“ zu sprechen oder konsequent Vor- und Nachnamen zu verwenden.

Bei Stellen, die Sie emotional mitnehmen, machen Sie sich im Vorhinein bewusst, warum dieser Satz oder diese Formulierung so wichtig ist. Was ist Ihr Anliegen dahinter? „Ich möchte seinen guten Charakter wĂŒrdigen“ oder „Ich möchte die Spendenbereitschaft der Anwesenden erhöhen“ oder „Ich mache das, damit das Thema mehr in das Öffentliche Bewusstsein kommt“. Mit Intention ist es leichter, souverĂ€n zu sprechen.                     

Bewerten Sie sich selber nicht zu hart.

Schwitzen, Röte im Gesicht, leicht zittrige Stimme: Diese körperlichen Reaktionen gehören dazu, wenn Ihnen ein Thema oder Menschen am Herzen liegen. Wenn Sie Ihren SchwÀchen zu viel Bedeutung schenken, verstÀrken sich die Symptome und dann steht ihre eigene EmotionalitÀt der eigentlichen Aussageabsicht im Wege.

Ich hoffe, Sie haben einige hilfreiche Anregungen bekommen. Wenn Sie Fragen zu Ihrer Stimme oder Atmung in diesen Situationen haben, schreiben Sie mir gerne ĂŒber das Kontaktformular.

Wie komme ich stimmlich gut durch Feierlichkeiten?

Ein Stimmtraining sorgt nicht nur dafĂŒr, dass man leichter, belastbarer und ausdrucksstĂ€rker arbeiten kann, auch im privaten Bereich trĂ€gt es FrĂŒchte. So berichten Kund*innen, dass das allabendliche Vorlesen mehr Freude bereitet oder eine Chorprobe nicht mehr zu Heiserkeit fĂŒhrt.

Wer in seinem Beruf auf die Stimme angewiesen ist, sorgt auch in der Freizeit fĂŒr seine Stimme. Das folgende Hintergrundwissen soll Sie unterstĂŒtzen, stimmlich besser durch Feiertage zu kommen.

viel sprechen

Sei es auf Familienfeiern oder Klassentreffen – der Redebedarf ist hoch. Man sieht sich so selten, dass man sich intensiv austauscht. Und da man auf grĂ¶ĂŸeren Feiern immer wieder neu in Kontakt ist, hat man am Ende des Tages mehr als sonst gesprochen und ist vielleicht heiser.

Eine belegte Stimme oder ein Kratzen im Hals bauen sich oft allmĂ€hlich auf. Versuchen Sie, regelmĂ€ĂŸig auf kleine Anzeichen von Angestrengtheit zu achten, z.B. immer dann, wenn Sie zur Toilette gehen oder bevor Sie auf eine neue Person zugehen. Kleine Sofortmaßnahmen könnten sein: Kurz an die frische Luft zu gehen, ein Glas Wasser zu trinken oder ein Bonbon zu lutschen.

Sprechen mit GerÀuschkulisse

Ein Treffen im Restaurant, Familienfeiern an langen Tafeln, oder GesprĂ€che mit dem Freundeskreis auf der Sitzlandschaft – andere GesprĂ€che, Lachen, Hintergrundmusik und Geschirrklappern sind akustische Begleiter.

Sprechen mit einer solchen GerĂ€uschkulisse fĂŒhrt oft unfreiwillig zum Pressen der Stimme, um gut hörbar zu sein. Diese Technik fĂŒhrt zu Heiserkeit.

Versuchen Sie, unnötige GerĂ€uschquellen auszuschalten, z.B. die Musik auszumachen, wenn alle GesprĂ€che in vollem Gang sind. Suchen Sie sich selber einen Platz, an dem die Akustik angenehm und die Distanz zum GesprĂ€chspartner gering ist. Beachten Sie, dass GesprĂ€che ĂŒber Kreuz besonders herausfordernd sind.

Alkohol und lange Abende

Keine Sorge – Sie mĂŒssen nicht asketisch leben, um Ihre Stimme gesund zu erhalten. Allein zu wissen, dass hochprozentige Spirituosen und Rotwein einen negativen Einfluss auf die Stimme haben, kann schon helfen. Auch MĂŒdigkeit prĂ€gt die Sprechtechnik. Solange sich die Stimme am nĂ€chsten Tag vollstĂ€ndig regeneriert, brauchen Sie sich als Berufssprecher keine Sorgen machen. Wenn Sie allerdings merken, dass Sie stimmliche Nachwirkungen auch noch Tage spĂ€ter merken, können Sie ausprobieren, ob ein verĂ€ndertes Trink- und Schlafverhalten Sie beim nĂ€chsten Mal entlastet.

Singen

Ausgelassen zu feiern bedeutet manchmal auch zu singen. Singen bedeutet eine erhöhte Spannung in den Stimmlippen. Oft schmettert man mit, obwohl man im Singen ungeĂŒbt ist. Singen Sie daher in einer Ihnen bequemen Lage, zwingen Sie sich nicht zu höchsten Tönen oder z.B. bei Karaoke oder einem GeburtstagsstĂ€ndchen zu tiefen Tönen, die Ihnen ĂŒberhaupt nicht liegen.

Ein erster guter Schritt ist, sich gerade hinzusetzen (mit beiden FĂŒĂŸen auf den Boden) oder sich hinzustellen (mit lockeren Knien). So gelingt das Singen mit mehr Freude und Leichtigkeit.

Achtung: Wer stimmlich angeschlagen ist und das auch schon beim Sprechen merkt, sollte vorĂŒbergehend nicht singen, um den Zustand nicht zu verschlimmern.

Temperaturunterschiede

Klimatisierte RĂ€ume und Fahrzeuge in Hitzeperioden, Geheizte RĂ€ume und Minusgrade in der dunklen Jahreszeit – diese extremen Temperaturunterschiede belasten nicht nur die SchleimhĂ€ute, sondern auch die Muskulatur im Hals. In der Regel fĂŒhren diese Konstellationen zu einer belegten Stimme, mit der es schwerer ist zu kommunizieren.

Entlasten Sie Ihre Stimme: Trinken Sie an heißen Tagen keine eisgekĂŒhlten GetrĂ€nke. Wenn Sie frieren, entspannen Sie Ihre Schultern und passen Ihre Kleidung entsprechen an. Wenn Sie bei Minusgeraden draußen sind, bedecken Sie auch die Nase mit einem Schal oder Tuch.

Ich freue mich, wenn ich Ihnen hiermit hilfreiche Impulse geben konnte und wĂŒnsche Ihnen ausgelassene und kommunikative Feste!

Geschmeidig kommunizieren mit Übersetzungs-Apps

Wenn zwei Menschen miteinander reden wollen, aber keine gemeinsame Sprache haben, sind Übersetzungs-Apps ein Segen, wie man auch in der Begleitung von FlĂŒchtlingen merkt. Ob z.B. Google Translate, iTranslate voice , sayHi Translate oder Microsoft translator – jede App hat besondere Funktionen und erleichtert die Kommunikation erheblich – sie haben aber eindeutig ihre TĂŒcken und Grenzen. Als Stimmtrainerin konzentriere ich mich dabei auf den Aspekt der verbalen Kommunikation.

 

Schriftlich oder mĂŒndlich

Bei einer Übersetzungs-App tippt oder spricht man den gewĂŒnschten Wortbeitrag ein. Das Programm bringt das Gesprochene in Schriftform und ĂŒbersetzt in die gewĂŒnschte Sprache. Man kann den ĂŒbersetzten Text lesen oder sich anhören.

Das Einsprechen hat den Vorteil, dass mein GegenĂŒber auch Tonfall, Mimik und Gestik mitbekommt. Allerdings sollte man die Transkription des eigenen Gesagten prĂŒfen und ggf. korrigieren. Namen sind z.B. eine HĂŒrde. Wenn man geĂŒbt ist im Umgang mit einer Übersetzungs-App, ist die Übersetzung per Sprachfunktion die schnellere und natĂŒrlichere.

Bewusste und klare Kommunikation

Erst denken, dann sprechen – dieser Grundsatz lĂ€sst sich 1:1 auf die Übersetzungs-Apps anwenden. Ein flĂŒssig gesprochener Satz wird sinnvoller ĂŒbersetzt. Einfache SĂ€tze ergeben in der Übersetzung mehr Sinn als BandwurmsĂ€tze. Die App erfasst nicht, wann ein Redebeitrag zu Ende ist, sie erfasst Sprechpausen und beendet dann den Satz. So werden inhaltliche ZusammenhĂ€nge auseinandergerissen.

Damit Ihr GegenĂŒber Inhalte besser einordnen kann, stellen Sie kleinere Aussagen voran, z.B. „Ich habe eine Frage.“ Oder „Es geht jetzt um den Sprachkurs.“ oder „Dieses Thema ist sehr wichtig.“ Tippen Sie Namen ein, wenn diese immer wieder falsch erfasst werden, z.B. „Frau XY ist die Schulleiterin der ABC-Schule.“

Das Reden in klaren, einfachen SĂ€tzen bringt Inhalte auf den Punkt – es weicht allerdings vom natĂŒrlichen Sprachfluss ab. Mit ausdrucksstarkem Gesichtsausdruck oder begleitenden Gesten können Sie das ausgleichen. Stellen Sie klar, dass Sie Ihrem GegenĂŒber wertschĂ€tzend und auf Augenhöhe begegnen.

 

Reaktion der Zuhörenden

Sie sind sich sicher, alles klar und deutlich rĂŒbergebracht zu haben? Trotzdem kann es zu MissverstĂ€ndnissen kommen, denn Sie haben in Ihrer eigenen Sprache kommuniziert. Beobachten Sie die Mimik Ihrer GesprĂ€chspartner*innen. Warten Sie ein kurzes Nicken ab oder fragen nach, was diese verstanden haben. Bitten Sie, den Inhalt des GesprĂ€ches kurz zusammenzufassen. Wenn die Frage „Hast du alles verstanden?“ mit Ja beantwortet wird, haben Sie noch keine Gewissheit, ob das auch wirklich der Fall ist.

Ermuntern Sie Ihre Mitmenschen dazu, Fragen zu stellen oder nachzufragen. Machen Sie deutlich, dass keine Frage zu dumm oder zu peinlich ist.

 

Zeit und Übung

Planen Sie Zeit fĂŒr GesprĂ€che mit Übersetzungs-Apps ein. Besprechen Sie zunĂ€chst die dringenden Themen. Das Programm zu bedienen, z.B. von einer Sprache zur anderen zu wechseln, braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Wenn Sie technische Fehler machen, kommen oft lustige Dinge heraus – darĂŒber zu lachen tut allen Beteiligten gut.

Machen Sie eine Pause, wenn Sie merken, dass die Fehler zunehmen. Nicht alles muss verbalisiert und kommentiert werden – halten Sie auch gemeinsame lĂ€ngere GesprĂ€chspausen aus.

Es wird im Laufe der Zeit immer leichter und selbstverstĂ€ndlicher, die App zu bedienen – vertrauen Sie dem Übungsfaktor.

 

Grenzen

Ich staune ĂŒber die technischen Möglichkeiten einer Übersetzungs-App – so hĂ€tte ich nie gedacht, dass ich einmal Nachrichten in kyrillischer Schrift verfassen könnte. Aber natĂŒrlich haben diese Programme (und ihre Nutzer) ihre Grenzen.

Damit Sie sich im GesprĂ€ch möglichst lange und gut konzentrieren können, sorgen Sie so gut wie möglich fĂŒr wenig Ablenkung und Ruhe.

Witze und Randbemerkungen scheitern am zeitlichen Versatz und laufen ins Leere. Anhand von Körpersprache und Kontext lĂ€sst sich vieles erschließen, auch Situationskomik ist meistens nonverbal.

Sobald der Akku Ihres Smartphones leer ist, hört die verbale Kommunikation auf. Sorgen Sie mehr denn je fĂŒr ausreichende Stromversorgung, eine Powerbank gehört ins HandgepĂ€ck.

Wenn Sie z.B. beim AusfĂŒllen eines Formulars bei einem Detail nicht weiterkommen, machen Sie deutlich, wenn dieses Thema nebensĂ€chlich ist. „Das ist nicht wichtig, wir klĂ€ren das spĂ€ter.“

Wenn Sie GesprĂ€che mit Dritten fĂŒhren, können Sie nicht erwarten, dass diese selbstverstĂ€ndlich mit einer Übersetzungs-App umgehen können. Am einfachsten ist es, wenn Sie die Moderation ĂŒbernehmen.

Komplexe Themen und wichtige Entscheidungen und Termine sollten unbedingt mit einem Übersetzer besprochen werden.

Wie hört sich meine Stimme an?

Sie kennen das PhÀnomen: Sie hören sich eine von Ihnen aufgenommene Sprachnachricht noch einmal an und sind irritiert: SO soll meine Stimme klingen? Sie hört sich komplett anders an, als Sie es vermuten und gewohnt sind. Liegt es an der Technik? Das kann nicht sein, denn andere Menschen klingen vertraut und völlig normal.

Der erste Schritt zu einer VerÀnderung

In Einzeltrainings oder Workshops gebe ich oft zu Anfang eine RĂŒckmeldung zu den individuellen Stimmen: Was sind StĂ€rken der Stimmen, an welchen Stellen sehe ich Handlungsbedarf? Dieses fachliche und wertschĂ€tzende Feedback wird oft als hilfreich und wegweisend aufgenommen. Die wenigsten haben ein eigenes klares Bild von ihrer Stimme. Auf Aufnahmen unterscheidet sich der Klang zu sehr von dem Klang, den man beim eigenen Sprechen wahrnimmt.

Übung zur SelbsteinschĂ€tzung der Stimme

Nehmen Sie sich jetzt 5 Minuten Zeit, um sich mit Ihrem tatsÀchlichen Stimmklang zu beschÀftigen. Alles, was Sie dazu brauchen, ist Ihr Smartphone oder irgendeine andere Form von Aufnahmetechnik.

Beantworten Sie zunÀchst folgende Fragen:

Bekommen Sie von anderen Menschen RĂŒckmeldung zu Ihrer Stimme oder zu Ihrem Sprechen?

Was denken Sie selbst ĂŒber Ihre Stimme? Wie klingt sie? Was mögen Sie an ihr? Gibt es etwas, das Sie stört?

Machen Sie den RealitÀts-Check.

Nehmen Sie Ihre Stimme auf. Sie können die Diktierfunktion Ihres Smartphones nutzen oder eine Sprachnachricht an sich selbst oder einen lieben Menschen schicken.

Sie können frei sprechen oder einen beliebigen Text lesen – nutzen Sie gerne den Beispieltext. Wenn Sie frei reden wollen, suchen Sie sich ein einfaches, neutrales Thema, erzĂ€hlen Sie z.B. von Ihren PlĂ€nen fĂŒr den morgigen Tag.

Beispieltext: Warum klinge ich auf Aufnahmen anders, als ich es von mir gewohnt bin?

Hallo, jetzt mache ich eine Übung aus dem Stimmzettel. Das ist ein Online-Newsletter von Stimme & Beruf. Zuerst soll ich ĂŒberlegen, was ich an meiner Stimme mag. Wichtig ist auch, was mir nicht gefĂ€llt, bzw. was mich in beruflichen ZusammenhĂ€ngen stört. Ich soll ĂŒberlegen, was ich konkret Ă€ndern möchte.

Ich hoffe, das Abhören gleich wird nicht so schlimm – denn eigentlich mag ich meine Stimme auf Tonaufnahmen nicht gern hören.

Das geht ĂŒbrigens den meisten Menschen so.

Das liegt daran, dass wir hauptsĂ€chlich ĂŒber die Luftleitung hören – also das, was von außen ĂŒber den Gehörgang zu unserem Hörorgan im Kopf gelangt. Nur unsere eigene Stimme hören wir zusĂ€tzlich ĂŒber die Knochenleitung, die den Schall aus dem Körper an unser Hörorgan weiterleitet.

Weil auf Tonaufnahmen aber nur der Luftschall zu hören ist, klingt unsere Stimme fĂŒr uns selbst ganz anders und ungewohnt. FĂŒr alle anderen klingt sie wie immer und völlig normal.

So klingt Ihre Stimme fĂŒr Zuhörer.

Hören Sie sich jetzt die Aufnahme an. Wenn es Ihnen schwerfÀllt, stellen Sie sich vor, dass Sie einer fremden Person in einer Radiosendung lauschen. Achten Sie nur auf den Klang und weniger auf den Inhalt.

  1. Was beobachte ich an der Sprechtechnik?
  • Wie ist meine Aussprache?
  • Wie schnell rede ich?
  • Wie klingt meine Stimme? Vielleicht haben Sie direkt ein Bild im Kopf – das trifft sehr wahrscheinlich den Kern.
  • Wann und wie atme ich beim Sprechen? Wie setze ich Pausen?
  • Betone ich sinngemĂ€ĂŸ und ansprechend?

2.  Was gefÀllt mir an meiner Stimme?

3. Wie wirkt meine Stimme wahrscheinlich auf Zuhörende?

Zu einer authentischen und ausdrucksstarken Stimme gelangen

Oft verĂ€ndern wir unsere Sprechweise, damit sich unsere Stimme besser anhört. Nicht alles davon hat eine positive Außenwirkung. Wenn Sie z.B. versuchen, tiefer zu sprechen, kann das fĂŒr Zuhörer undeutlicher klingen.

Wollen Sie, dass Ihre Stimme authentisch und ausdrucksstark klingt? Wenn Sie sich gerne mit meiner UnterstĂŒtzung auf den Weg machen möchten, melden Sie sich gerne bei mir. Wir können in einem Telefonat klĂ€ren, welche Möglichkeiten der VerĂ€nderung es gibt.

Wie wirken sich GefĂŒhle auf die Stimme aus?

Stimmungen und Stimme sind eng miteinander verknĂŒpft. Wenn ich meine aktuelle GefĂŒhlslage ausdrĂŒcke, setze ich durch meine innere Einstellung wie von selbst Gestik, Mimik und Betonung richtig ein. Auch der Spannungsgrad der Stimme, LautstĂ€rke und Aussprache wirken ausdrucksstark und unterstreichen meine Argumente.
Die unterschiedlichen Emotionen haben verschiedene EinflĂŒsse auf die Stimme und das Sprechen.

Wut treibt die Stimme zu Höchstleistungen an.

„Mir platzt gleich der Kragen!“ oder „Ich krieg` so einen Hals!“ Diese Redewendungen zeigen, dass unterdrĂŒckte Wut im Hals stecken bleibt. Die Stimme wird gequetscht, gepresst oder geknarrt und klingt dementsprechend. BrĂŒllen schadet der Stimme. Sie merken es am Kratzen oder an den Schmerzen im Hals.
Wissenschaftler der TU Berlin fanden heraus, dass Àrgerliche Personen besonders deutlich reden. Sie betonen viele Silben.
Wenn Sie im Alltag mit richtiger Stimmtechnik laut und bestimmt sprechen, sind Ihre Aussagen beeindruckend und Sie wirken stark. Wenn Sie manchmal lauter sprechen, hÀlt das Ihre Stimme flexibel. Sie lernen, Ihr stimmliches Potenzial besser einzuschÀtzen und trauen sich z.B. lautes Rufen eher zu.

MĂŒdigkeit macht unsere Stimme dĂŒnn.

Wenn wir mĂŒde sind, fehlt es dem Körper an Spannkraft. Wir atmen oberflĂ€chlich. Unsere Mimik ist ausdruckslos. Das alles fĂŒhrt dazu, dass unsere Stimme sich nicht entfalten kann. Ein mĂŒder und kranker Mensch spricht leise. Seine Stimme klingt monoton, kraftlos und klangarm.

Traurigkeit sorgt fĂŒr einen Kloß im Hals.

Wenn wir traurig sind, schaltet unser Gehirn auf Sparflamme. Um genĂŒgend Energie zu bekommen, stellt sich die Glottis weit, d.h. die beiden Stimmlippen stehen weit auseinander, damit wir genug Luft bekommen. Wollen wir dann jedoch sprechen oder schlucken, kommt es zu einem Kloß im Hals. Dieser ist Zeichen unserer Muskelverkrampfung, denn zum Schlucken oder Sprechen mĂŒssten sich die Stimmlippen berĂŒhren.
Auch die Aussprache ist betroffen: Traurigkeit bewirkt Verschleifungen und Auslassungen ganzer Silben.

Stress trocknet den Mund aus.

In stressigen Situationen möchte uns das Stammhirn möglichst viel Muskelkraft zur VerfĂŒgung stellen. Diese brauchten wir in den AnfĂ€ngen unserer Menschheitsgeschichte zur Flucht oder zum Angriff. Alle nicht lebensnotwendigen Körperfunktionen werden heruntergefahren – also auch die Bereitschaft zur Nahrungsaufnahme und damit die Speichelproduktion.

Freude regt die Stimme an.

Beim Lachen wackelt das Zwerchfell, daher kommt die Redewendung „sich den Bauch halten vor Lachen“. Der Atmungsapparat, die Basis einer gesunden Stimme, wird durch hĂ€ufiges Lachen leistungsfĂ€higer.
Insgesamt 20 Muskeln im Gesicht werden beim Lachen bewegt. Eine geĂŒbte Mund- und Gesichtsmuskulatur verbessert die Aussprache. Eine ausdrucksstarke Mimik unterstĂŒtzt einen lebendigen, frischen Stimmklang.
Durch einen Herzschlag von 120 SchlĂ€gen pro Minute und die AusschĂŒttung von GlĂŒckshormonen reduziert sich Stress; Muskelspannungen werden abgebaut. Von dieser Lockerheit profitieren auch die Halsmuskeln.

Fazit: GefĂŒhle und Sachlichkeit in der Stimme

Wenn wir unsere innere Haltung und unser GefĂŒhl gegenĂŒber unserem GesprĂ€chspartner in der Stimme auszudrĂŒcken lernen, können wir Kommunikation empathischer und lösungsorientierter fĂŒhren. Unser GegenĂŒber fĂŒhlt sich von uns abgeholt und menschlich gesehen.
In einigen Debatten und Diskussionen stören die eigenen GefĂŒhle. Wem vor Wut oder Aufregung die Stimme zittert, verliert Überzeugungskraft. Viele Menschen halten sich aus Sorge um ein stimmliches Versagen aus Diskussionen heraus und verpassen es, einen wichtigen Beitrag zur Lösung des Konflikts zu liefern.
Meiner Erfahrung nach helfen bestimmte Techniken, unsere GefĂŒhlen gewinnbringend einzusetzen oder sie in den Hintergrund treten zu lassen.

Wie regeneriert sich meine Stimme nach Feiern?

Heiserkeit nach ausgelassenen Partys ist ganz normal. FĂŒr Menschen in Sprechberufen kommt es darauf an, ihre stimmliche QualitĂ€t dauerhaft zu erhalten.

Wenn Sie Kleinigkeiten auf dem Fest, unmittelbar nach der Feier und am nĂ€chsten Tag berĂŒcksichtigen, kann Ihre Stimme sich regenerieren und Ihnen beruflich und privat wieder voll zur VerfĂŒgung stehen.

Woher kommt die Heiserkeit nach Feiern?

Heiserkeit kommt durch eine Überbeanspruchung der Stimme: Anschreien gegen eine GerĂ€uschkulisse, lautes Mitgrölen von Liedern, Sprechen, obwohl man schon sehr mĂŒde ist – bei alledem geht die Stimme ĂŒber ihre KrĂ€fte. Die Muskeln sind erschöpft und schließen beim Sprechen nicht mehr richtig. So entsteht der typisch heisere Klang.

Zudem stellen Alkohol- und Nikotinkonsum, trockene und verbrauchte Luft alles andere als den idealen Lebensraum fĂŒr den Kehlkopf dar.

Wie kann ich mich auf einer Feier stimmgesĂŒnder verhalten?

Schon Kleinigkeiten entlasten die Stimme: Gehen Sie zum Unterhalten nach draußen oder in einen ruhigeren Nebenraum oder auf den Gang. Vermeiden Sie unbedingt GesprĂ€che vor der Lautsprecherbox – auch wenn dort meistens Platz ist. Unterhalten Sie sich lieber zu zweit als in Gruppen, je nĂ€her Sie am Ohr des GesprĂ€chspartners sind, umso weniger muss Ihre Stimme leisten.

Bei lauter Musik und Stimmengewirr verlieren wir die akustische Kontrolle ĂŒber unsere Stimme. Probieren Sie aus zu sprechen, ohne sich selbst zu hören. Bitten Sie Ihren GesprĂ€chspartner um RĂŒckmeldung, wenn es fĂŒr ihn zu leise ist.

Wenn Sie erkÀltet oder allergiegeplagt sind, singen Sie beim Tanzen weniger mit.

Trinken Sie immer mal Wasser zwischendurch. Reduzieren Sie bei belasteter Stimme oder bei wichtigen Terminen in den kommenden Tagen hochprozentige oder sÀurehaltige GetrÀnke und Rotwein.

Was hilft vorm Schlafengehen?

Wenn Sie fettes Essen oder viel Alkohol genossen haben, nehmen Sie Natron vor dem Schlafengehen, um Ihren SĂ€ure-Haushalt positiv zu beeinflussen.

Wenn Sie mögen, können Sie kleine StimmĂŒbungen machen oder den Hals ausstreichen, damit er entspannt in die Nachtruhe geht.

Wie verhalte ich mich am nÀchsten Tag?

Am nĂ€chsten Tag ist es absolut sinnvoll, sich an der frischen Luft zu bewegen und das Schlaf- und FlĂŒssigkeitsdefizit auszugleichen. Es ist sehr hilfreich, AufwĂ€rmĂŒbungen fĂŒr die Stimme zu machen. Schweigen Sie nicht komplett: Diese vermeintliche Schonung lĂ€sst die Muskeln trĂ€ge werden. Wenn Sie sprechen, tun Sie das ohne festen Druck und Kraftanstrengung. Die Stimme darf heiser klingen, versuchen Sie, den besten Klang zu erreichen, der gerade möglich ist. Manchmal fĂŒhlt man sich so verkatert, dass man unbewusst gequĂ€lt und heiser spricht.

Weiterer Verlauf

Die Stimme sollte sich im Laufe eines Tages regenerieren. Wenn Sie zu den Menschen gehören, die regelmĂ€ĂŸig feiern oder im Bereich Gastronomie oder Entertainment arbeiten, kann ich Sie nur ermutigen, achtsam mit Ihrer Stimme umzugehen. Bei einer Vielzahl meiner Stimmpatientinnen und Stimmpatienten begann die Krankengeschichte mit stĂ€ndig heiserer Stimme am Wochenende. Beobachten Sie bei sich, ob Ihre StimmqualitĂ€t kontinuierlich ĂŒber die Jahre abgenommen hat.

Fazit

Feste zu feiern und auch mal feste zu feiern gehört zum Leben dazu: Sie brauchen sich auch als Mensch mit Sprechberuf nicht asketisch zu verhalten. Ich hoffe, diese kleinen Tipps unterstĂŒtzen Sie darin, mit gutem Gewissen Ihrer Stimme gegenĂŒber ausgelassen feiern zu können.