Stimme & Bewertung – mehr als eine Frage des Geschmacks

Sie kennen das: Sie schalten den Fernseher ein. In einem Interview hören Sie jemanden sprechen. Obwohl das Thema eigentlich ganz interessant ist, haben Sie den Drang umzuschalten: Diese Stimme wollen Sie nicht länger als nötig ertragen: Wie kommt das?

Dazu drei Erklärungsansätze:

1. Erfahrungen mit ähnlich klingenden Sprechern

Wenn Sie z.B. eine Patentante hatten, die mit ähnlicher Sprachmelodie, Tonhöhe und Klangfülle gesprochen hat, die Sie immer verwöhnt hat und die Sie vergöttert haben, so wird Ihr Hörgedächtnis unbewusst bei gleichen Stimmen positive Emotionen hervorrufen – leider setzt dieser Mechanismus auch bei stimmlicher Ähnlichkeit mit der keifenden Vermieterin ein.

2. Individuelles Unbehagen in der Hörwahrnehmung

Gerade von Menschen mit sensiblen Ohren hört man Sätze wie „Schrei doch nicht so!“ oder „Bitte nicht in diesem Tonfall!“ Damit ist oft eine bestimmte Frequenz und Lautstärke gemeint, die das Ohr als Misston einordnet. Das Gehör möchte sich durch Weghören schützen.

3. Körperliches Übertragungsphänomen

Achten Sie einmal darauf, wie sich Ihr Hals anfühlt, wenn z.B. Joe Cocker singt. Meistens passt sich unsere Halsmuskulatur beim Zuhören dem Spannungszustand des Sängers oder des Sprechers an. Das kann schon mal ein Unwohlsein im Hals und somit zum Ablehnen einer Stimme führen.

Stimme und ihre Bewertung ist also viel mehr als nur eine Frage des Geschmacks.