Guter Umgang mit einer angeschlagenen Stimme

Im Herbst und Winter klagen Menschen vermehrt über Erkältung und melden sich krank, um die Stimme zu schonen. Immer wieder kommen Menschen zum Stimmtraining zu mir, weil sie entweder eine Erkältung verschleppt oder falsch behandelt haben.
Hier erfahren Sie Dos und Don’ts im Umgang mit Heiserkeit.
Die erste Frage sollte sein: Bin ich heiser oder erkältet?
Bei einer Erkältung fühlen Sie sich abgeschlagen, es läuft Sekret und die Nasenschleimhäute sind geschwollen.

Halsschmerzen

Heiserkeit oder Halsschmerzen können auch unabhängig von einer Erkältung entstehen. Dies kommt überwiegend durch falsche Atem- oder Sprechtechnik, kann aber auch eine Reaktion auf bisher unentdeckte, nachts aufsteigende Magensäure (Reflux) sein. Viele Maßnahmen, die bei einer „Pseudoerkältung“ ergriffen werden, um den scheinbaren Infekt zu behandeln, bewirken dann genau das Gegenteil, weil z.B. durch ein Austrocknen der Schleimhäute das Sprechen erschwert wird. Die Heiserkeit manifestiert sich, man möchte sich stets und ständig räuspern oder die Stimme wird empfindlicher und weniger belastbar. Eine Stimmstörung beginnt oft damit, dass beim Singen höhere Töne nicht mehr getroffen werden oder nach einer mehrstündigen Veranstaltung die Stimme angegriffen ist – beides sollte bei einer gesunden Stimme gut leistbar sein.

Krankmelden

Gesundheitlich angeschlagen zu sein, ist in der heutigen Zeit schwierig. In einer hochspezialisierten Arbeitswelt bleibt die Arbeit im Krankheitsfall liegen, staut sich auf und man kann am ersten Arbeitstag mit einem Berg unerfüllter Aufgaben und ggf. unglücklicher Kommunikation der Vertretung rechnen.
In Zeiten von Fachkräftemangel will man Kollegen und Kolleginnen nicht im Stich lassen und fühlt sich moralisch verpflichtet, zur Arbeit zu gehen.
Wegen einer Erkältung zu Hause zu bleiben, kommt vielen nicht in den Sinn und auch Mitarbeitende oder Führungskräfte bewerten das oft sehr kritisch.
Nur noch mit Mühe kommunizieren zu können, kann Einfluss auf die Motivation nehmen und auch aufs Gemüt schlagen. Somit ist ein professioneller Umgang mit der eigenen Stimme in vieler Hinsicht begrüßenswert.

Das tut einer erkälteten Stimme gut:

Trinken Sie mehr als sonst, v.a. warme Kräutertees und Wasser.
Lockern Sie morgens und nach Sprechbelastung Ihre Stimme, z.B. indem Sie Gähnen.
Im Bedarfsfall lutschen Sie eine Pastille oder ein Bonbon, am besten nur, wenn die Stimme streikt, dann auch eine kurze Ruhephase einlegen.
Entlasten Sie Ihre Stimme durch Ausschalten von Umgebungsgeräuschen, wie z.B. Radio

Das schadet einer erkälteten Stimme:

  • Räuspern und bewusstes kräftiges Husten
    Beides reizt die Schleimhäute und schwächt die Stimmmuskulatur.
  • zu laut oder zu lange sprechen, flüstern
    Beim Flüstern bleibt das hintere Drittel der Stimmlippen offen. Der Druck, der sich beim normalen Sprechen auf die ganze Oberfläche verteilt, wird größer. Flüstern ist keine adäquate Schonstimme.
  • Kamille /Menthol/ Schärfe
    Menthol findet sich in allen Produkten mit Pfefferminz. Chili, Pfeffer und Ingwer würzen Essen, aus Ingwer kann man auch Tee kochen. Dies alles reizt die Schleimhäute der Sprechmuskulatur, Kamille trocknet zusätzlich noch aus.
  • komplettes Schweigen über viele Stunden
    Die Muskulatur baut ab. Absolute Stimmruhe ist nur bei diagnostizierter Kehlkopfentzündung sinnvoll.
  • mit Druck gegen die Heiserkeit ansprechen
    Damit gehen Sie über Ihre stimmlichen Grenzen hinweg. Die Muskeln bleiben angespannt, auch wenn der Infekt schon ausgeheilt ist.
  • in eine „Leidensstimme“ verfallen, die ohne jede Spannung gebildet wird
    Wenn man sich körperlich müde und gesundheitlich angegriffen fühlt, spiegelt sich das unter Umständen in der Stimmgebung wieder und man spricht hauptsächlich aus dem Hals heraus, manchmal mit zu wenig Spannung. Für eine gesunde und anstrengungsfreie Stimmgebung ist das Nutzen von Resonanzräumen wichtig, damit Sie gut hörbar sind, ohne sich anzustrengen.

Ich wünsche Ihnen einen guten Umgang mit Ihrer Stimme, melden Sie sich gerne, wenn Sie Fragen haben.

Gutes Atmen mit Mundschutz

Atmen zu können, ist ein elementares Grundbedürfnis – und zwar das, auf das wir am kürzesten verzichten können. Wir können 30 Tage ohne feste Nahrung überleben, aber nur wenige Minuten ohne Sauerstoff. Das macht uns so sensibel, wenn es um das Thema „gut Luft bekommen“ geht. Viele Menschen haben einen inneren Widerstand und Unsicherheit beim Tragen des Mund- und Nasenschutzes.

Atmung (und Stimme) werden über das vegetative und über das somatische Nervensystem reguliert. Das somatische Nervensystem können wir willkürlich beeinflussen und bewusst gestalten. Das vegetative Nervensystem reagiert reflexartig und unbewusst, wir können versuchen, es indirekt zu beeinflussen. Für beide Systeme möchte ich Ihnen Anregung und Entlastung geben, denn das Tragen von Masken wird uns wahrscheinlich noch eine ganze Zeit begleiten.

Das können Sie aktiv tun – Zwei Impulse:

  1. Atemluft aus dem Mund ist feuchter als die aus der Nase. Wenn es Ihnen das Klima unter Ihrer Maske zu unangenehm, sprich zu feucht wird, dann achten Sie darauf, mehr durch die Nase zu atmen und evtl. Ihren Redeanteil zu reduzieren. Vielleicht können Sie es einrichten, für längere Gespräche an die frische Luft zu gehen.
  2. Atmung reagiert auf körperliche Anstrengung – die Atemfrequenz wird bei Anstrengung höher, das merkt man beispielsweise, wenn man statt der Rolltreppe oder des Fahrstuhls die Treppe läuft. Im Rückschluss kann das bedeuten, dass Sie den Grad Ihrer körperlichen Aktivität Ihrer ruhigen Atemfrequenz anpassen können – einfach gesagt: werden Sie langsamer. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Tätigkeiten. So wie eine Smartwatch Gradmesser für körperliche Fitness ist, kann das bequeme Atmen trotz Mundschutz ein Taktgeber für ein Leben in Achtsamkeit und Entschleunigung werden.

So beeinflussen Sie Ihre innere Haltung zum Mund-Nasenschutz:

Fördern Sie Ihre innere Einstellung, dass gutes Atmen mit Mundschutz möglich ist: Haben Sie schon einmal Urlaub im subtropischen Klima gemacht? Wenn nicht, dann erinnern Sie sich an feucht-schwüle Gewitterluft hier in Deutschland. Anfangs brauchen Körper und Atmung Zeit, um sich an die Luft, Luftfeuchtigkeit und an die Temperatur zu gewöhnen. Indem Sie sich wie die Einheimischen bzw. die Haustiere und Kleinstkinder verhalten – den Ball flach halten, Leben in Slow Motion lässt sich leichter mit Maske atmen. Auch im subtropischen Klima kann man gut leben und wird ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes haben Sie nur lokal ein subtropisches Klima. Vielleicht fällt Ihnen Atmen leichter, wenn Sie sich den Satz denken „Mein Körper ist flexibel und kann sich an die veränderten klimatischen Bedingungen einstellen.“

Was kann ich tun, wenn ich auf der Arbeit über Stunden eine Maske tragen muss? Was ist bei Profi-Masken zu beachten?

Alle, die über Stunden Atemmasken tragen müssen oder Masken mit Filter und hoher Abdichtung des Mund-Nasenraums benutzen, atmen gegen einen Widerstand an. Das ist sehr anstrengend. Ggf. kann Sie dieses Ritual entlasten: Nach Feierabend im Wald spazieren gehen und ganz bewusst die gewohnte, gute, eher trockenere und kühlere Luft einatmen. Das kann Ausgleich für vieles sein.

Erfahrungswerte aus der Praxis für die Praxis:

Es braucht ca. 3 – 5 Minuten, bis man den Mund-Nasenschutz nicht mehr vollständig als Fremdkörper wahrnimmt. Tipp: Die Atemmaske schon vor der Arbeit oder vor dem Gespräch aufsetzen und ein wenig Zeit fürs Gewöhnen einplanen.

Lassen Sie die Maske auf – auch wenn Sie z.B. beim Einkaufen in verschiedene Geschäfte gehen – ansonsten müssen Sie sich immer wieder neu akklimatisieren. Nach zwei Stunden Mundschutz machen Sie 5 Minuten Pause davon. Öffnen Sie ein Fenster und atmen ganz bewusst.

Der Stoff der Maske wird beim Einatmen eingesaugt, die Einatmung dauert länger. Somit wird auch Sprechen langsamer. So wie wir zurzeit bei instabilen Internetverbindungen auf das eingehende Signal warten, können wir uns auch auf das leicht verzögerte Sprachsignal unseres Gesprächspartners einstellen.

Wenn Sie unter starken Nacken – und Schulterverspannungen leiden, wählen Sie Masken, die man am Hinterkopf zusammenbindet oder Masken, die lange Gummischlaufen zum Ziehen über den Hinterkopf haben. Die Mundschutze, die stramm an den Ohren ziehen, können für zusätzliche Verspannung sorgen.

Wann stockt Ihnen der Atem?

Bei einem Krimi, bei einer Überraschung, bei Konzentration? Die folgende Übung hilft Ihnen, Ihre Atembereiche besser kennenzulernen und den Atem fließen zu lassen.

Setzen oder stellen Sie sich entspannt hin. Wenn Sie mögen, schließen Sie die Augen oder fixieren einen neutralen Punkt und gehen mit der Aufmerksamkeit nach innen. Lassen Sie Umgebungsgeräusche in Ihrer Wahrnehmung immer leiser werden und Gedanken kommen, dann aber auch wieder gehen.

Legen Sie Ihre Hände mit großer Auflagefläche auf den Bauch. Lassen Sie die Hände dort zunächst einen Moment liegen und spüren Sie die Wärme, die von den Händen, aber auch vom Körper abgestrahlt wird. Lassen sie den Atem von alleine kommen und gehen. Seien Sie dabei nur neutraler Beobachter, bleiben Sie passiv. Spüren Sie, ob Ihr Atem die Stelle bewegt – selbst eine winzig kleine Bewegung ist schon gut, bitte keinen falschen sportlichen Ehrgeiz entwickeln.

Das gleiche beobachten Sie, wenn Ihre Hände zunächst in den Seiten und dann im unteren Rücken liegen. Damit nehmen Sie die Zwerchfell – Bewegungen an verschiedenen Punkten wahr.

Nehmen Sie sich nach diesem Kurzurlaub Zeit, um wieder in den Alltag zurückzukehren. Stellen Sie sich vor, Sie hätten ein schönes Nickerchen gemacht und recken und strecken sich zunächst ausführlich, bevor es mit dem Alltag weitergeht.

P.S.: Wissen Sie übrigens, was Zwerchfell und Rotwein gemeinsam haben?

Beide müssen atmen!

Auswirkungen eines ruhigen Atems

Es gibt gute Gründe, um gerade in aufregenden Situationen bewusst die tiefe Bauchatmung anzuwenden. Unser Atem ist der Schlüssel zu Geist und Seele. Durch bewusstes Atmen in den Bauch können wir auf körperliche und seelische Belastungen Einfluss nehmen.

Ruhiges Atmen bewirkt:

  • bessere Konzentration
  • erhöhte Gedächtnisleistung
  • Wohlgefühl
  • neue Impulse zur Problemlösung
  • Ruhe in hektischen oder angespannten Situationen

Praktischerweise tragen wir unser Zwerchfell immer bei uns und bewusstes Atmen fällt anderen im Alltag gar nicht auf.

Wann kommen Sie das nächste Mal wieder zu Atem?